Neue Erlösmodelle gegen den Diebstahl?

22. Oktober 2010 by  

Ich bin mir noch nicht wirklich sicher, ob ich Datensauger, MP3-Napper, Albumsammler und sonstige Digital-Native-Sünder wirklich unbedingt als Diebe bezeichnen und das digitale illegale Ungetüm wirklich als Todsünde bezeichnen möchte. Es gibt ja Leute, die meinen, dass demnächst das Abendland untergeht, weil die „alten“ Marktmodelle aus der analogen Welt nur noch begrenzt in der digitalen Welt funktionieren.Das ist natürlich nicht der Fall. Es handelt sich um rein menschliche Übertreibung als Notwehr-Mechanismus. Es sei ihnen vergönnt.
Auf der anderen Seite ist es aber auch nicht damit getan, einfach von „Marktversagen“ zu sprechen, weil z.B. Plattenfirmen, Buchverlage oder Filmfirmen zum einen ihre Liefermonopolstellung verlieren, zum anderen keine Sanktionsmethoden besitzen, um gegen Filesharing vorzugehen.
Diese Nicht-Kontrollierbarkeit nun als gegeben hinzunehmen, und das „Ausnutzen“ dieser neuen Lücken als Ergebnis eines natürlichen technischen Prozesses zu bezeichnen, lässt den ein oder anderen Diskutanten im Netz gerade ein bisschen naiv erscheinen. Die technische Erfindung eines Generalschlüssels für PkW bedeutet auch nicht gleich, dass alle Privatautos (ohne Entschädigung) vergesellschaftet werden (weil man ohnehin nicht mehr abschließen muss).

Klar ist lediglich, dass es technische Veränderungen gibt, die eine teilweise Neuerfindung von Geschäftsmodellen notwendig machen und gleichzeitig auch Innovationen erfodert zum Schutz alter Geschäftsmodelle. Sicherlich ist aber nicht unbedingt die Aufgabe des Staates, z.B. durch neue Gesetze „Überholtes“ komplett zu schützen. Steinkohle-Subventionen laufen auch in Kürze aus. Ob es nun also „Diebe“ sind oder nicht kann ich noch nicht wirklich sagen. Das hängt erst einmal weniger mit der Tat an sich als vielmehr mit der Begründung zusammen. Dort ist der Unterschied zwischen „Jugendsünder“ und „vorsätzlichem Urheberrechts-Verächter“. Bei denjenigen, die offensiv die Meinung vertreten, dass Filmemacher, Musiker, Journalisten, Literaten (und sonstwer) gefälligst zusehen sollen, wie sie an ihr Geld kommen und dass man halt mal innovativ sein soll, würde ich den vorsätzlichen Diebstahl schon unterstellen wollen und auch durchaus Sanktionsmethoden zu Rate ziehen.

Dass es aber neben dem ganzen Disput auch positive Neuigkeiten gibt, zeigt die Anzahl der Publikationen in den letzten Monaten. Zuletzt, endlich mal jenseits von „News“, „Blogs“, „Meinung“ und „Tweet“, eine wissenschaftliche Auseinandersetzung in Form einer Diplomarbeit: Neue Erlösmodelle für die Musikindustrie im Web 2.0″

Letzlich führt aber alles doch wieder darauf hinaus, ob nicht eine Art „Content-Flatrate“ für bestimmte Medienformen angebracht und überdenkenswert wäre. Vielleicht kann es nicht überall funktionieren, bei Musik mehr als bei Film, bei Büchern eher als bei Zeitungen. Aber es ist einfach müßig, nun andauern Artikel darüber lesen zu müssen, dass bei diesem oder jenem Künstler ein neues Geschäftsmodell funktioniert hat oder dass die Ticketerlöse in den USA in den vergangenen 20 Jahren angestiegen sind und die Einnahmen der Bands erhöhen konnten (Verlagerung). Ja, alles schön und gut, aber das ist doch nicht wirklich wegweisend. Das ist alles Indizienanalyse, die niemanden wirklich weiterbringt, mal wg. Unvergleichbarkeit von Ländern, mal wg. zu geringer Aussagekraft der Beispiele.


Tags: , , , , , ,